5. Resümee und Empfehlungenaus der Wirkungsanalyse von "Planquadrat DO"


Die Gegenüberstellung der beiden Entwicklungsszenarien zeigt, dass der Einzelhandel sich in beiden Fällen aus der Karl-Meyer-Straße zurückziehen wird. Nur die Geschwindigkeit dieses Rückzugs unterscheidet sich. Wesentliche Ursachen dafür sind die allgemeinen Entwicklungstendenzen des Einzelhandels und die sich daraus ergebenden Erfordernisse an ökonomisch tragfähige Strukturen und Standorte, denen die Karl-Meyer-Straße zunehmend nicht mehr gerecht werden kann.

Richtet man die Betrachtung auf die Stadtteilebene und die zukünftige Entwicklung der Nahversorgung im Stadtteil wird deutlich, dass Szenario A mittel- bis langfristig zu einem Verlust des siedlungsnahen Nahversorgungsangebotes in Rotthausen führt. Szenario B beschleunigt zwar den Rückzug des Einzelhandels aus der Karl-Meyer-Straße, erreicht aber durch eine geplante Verschiebung des Nahversorgungszentrums an die Steeler Straße, dass der Stadtteil Rotthausen auch mittel- und langfristig über ein siedlungsnahes Nahversorgungszentrum verfügt.

Vor diesem Hintergrund ist im Sinne einer nachhaltigen Stadtteilentwicklung dem Szenario B der Vorzug zu geben. Es eröffnet die Möglichkeit, durch eine aktive Planung und Realisierung eines neuen Nahversorgungszentrums dem Stadtteil einen positiven Entwicklungsimpuls zu geben, seine Grundversorgungsfunktion als Nebenzentrum zu sichern und damit auch langfristig Rotthausen als attraktiven Wohnstandort zu erhalten.

An die städtebauliche Planung sowie an die Umsetzung des neuen Nahversorgungszentrums sind dabei eine Reihe von Anforderungen zu stellen, um die Attraktivität, die die Karl-Meyer-Straße als Nahversorgungszentrum für den Stadtteil hat, auch am neuen Standort zu erreichen oder sogar zu übertreffen.

Die städtebauliche Planung des neuen Nahversorgungszentrums an der Steeler Straße sollte sich nicht nur auf den Standort konzentrieren. Die Entwicklung des neuen Standortes sollte in eine Rahmenplanung zur zukünftigen Entwicklung des gesamten Ortskerns von Rotthausen eingebunden werden, damit die Chancen, die sich mit dieser Entwicklung eröffnen, möglichst optimal genutzt werden können.

Wichtige Punkte dabei sind:
? die städtebauliche Gestaltung des neuen Standortes sowie die Dimensionierung
und Aufteilung der neuen Einzelhandelsflächen, um eine hohe Attraktivität und
Aufenthaltsqualität des neuen Nahversorgungszentrums zu erreichen.

? Dazu ist eine qualitativ hochwertige städtebauliche Gestaltung des neuen Zentrums notwendig. Dies betrifft zum Einen die Gebäude, die architektonisch ansprechend und damit deutlich hochwertiger als der übliche Discountmarkt-Standardtyp sein müssen. Zum anderen sind Aufenthaltsbereiche notwendig, die städtebaulich gestaltet sind und Platz bspw. für Außengastronomie oder Außeauslagen von Geschäften bieten und zum Verweilen und Bummeln einladen. Dies bedeutet auch, dass die Außenflächen nicht ausschließlich oder in erster Linie als Stellplatzanlagen und Anlieferzonen dienen, wie dies bei Einkaufszentren .auf der grünen Wiese. zumeist der Fall ist. Dies erfordert eine grundlegende Revision der vom Investor vorgelegten Planskizze zum Vorentwurf des Bebauungsplanes.

? Es sind zudem Voraussetzungen zu schaffen, damit sich ein attraktiver Laden-und Branchenmix entwickeln kann, wie ihn die Karl-Meyer-Straße heute noch bietet. Statt ausschließlich große Einheiten für Lebenmittelsupermärkte, Discounter und Fachmärkte, sollten auch kleinere Verkaufsflächeneinheiten vorgesehen werden, die prioritär den ortsansässigen Einzelhändlern angeboten werden. Dies würde die gute Händler-Kunden-Bindung, die wesentlichen Anteil an der Attraktivität des Nahversorgungszentrums Rotthausen hat, erhalten und ortsansässigen, kleinen Einzelhändlern der Karl-Meyer-Straße neue Perspektiven eröffnen.

? Der neue Standort sollte nicht nur an die Steeler Straße sondern fußläufig auch nach Norden an den neuen und alten Markt angebunden werden. Damit würden sich neue Entwicklungschancen für diesen Bereich sowie für die östliche Karl-Meyer-Straße ergeben. Es bietet sich damit auch die Möglichkeit, einen Teil der Stellplätze für das neue Nahversorgungszentrum auf dem alten oder neuen Markt bereitzustellen, so dass am neuen Standort Gestaltungsspielräume bspw. für eine Platzgestaltung entstehen könnten.

? Im weiteren Umfeld des Rotthausener Zentrums sollte die Neuansiedlung zusätzlicher großflächiger Einzelhandelsneuansiedlungen mit nahversorgungsrelevanten Sortimenten verhindert werden, um die Entwicklung des neuen Nahversorgungszentrums und die damit verfolgten Stadtteilentwicklungsziele nicht zu konterkarieren.

? Der Einzelhandel sollte auf eine Fläche konzentriert werden. Über die beste städtebauliche Einbindung verfügt die Brachflächen östlich der Steeler Straße in Fortsetzung zur Sparkasse und dem Discounter Plus. Auf diesem Areal sind alle Flächenansprüche unterzubringen und nur hier lässt sich ein "Ersatz-Zentrum" schaffen. Die Ansiedlung eines Discounter oder einer sonstigen Einzelhandelsnutzung auf der Fläche des Autohauses Dienel sollte ausgeschlossen werden, um die Realisierung des neuen Zentrums nicht zu erschweren.

Angesichts der erheblichen Auswirkungen, die die Verlagerung des Nahversorgungszentrums von der Karl-Meyer-Straße an die Steeler Straße für die innere Struktur und die zukünftige Entwicklung des Rotthausener Zentrums haben wird, ist eine frühzeitige und intensive Beteiligung und Einbindung der ortsansässigen Einzelhändler sowie der Bürger von Rotthausen in die Planung zu empfehlen. Aus unserer Erfahrung trägt dies dazu bei durch einen offenen und konstruktiven Umgang mit Interessenkonflikten, die Akzeptanz einer solchen Planung zu erhöhen. Die Akzeptanz des geplanten neuen Nahversorgungszentrums bei der Rotthausener Bevölkerung ist ein nicht zu vernachlässigender Aspekt für sein Gelingen, wie das schlechte Beispiel des nicht angenommenen neuen Marktes zeigt.

Dortmund, den 30.Nov. 2002